Die Münchener Schule: Der Weg zum Herzen
Es gibt Momente im Leben, in denen wir spüren, dass oberflächliche Erklärungen nicht mehr ausreichen. Dass unsere Probleme tiefer wurzeln – in Schichten unserer Seele, die uns selbst noch unbekannt sind. Und genau hier beginnt die Geschichte einer therapeutischen Arbeit, die diese verborgenen Schichten der Seele erfahrbar machen wollte.
Wer sich mit der Geschichte der Reinkarnationstherapie beschäftigt, kommt dabei an einem Namen kaum vorbei: dem der Münchener Schule. In den 1990er-Jahren entstand in München eine therapeutische Richtung, die einen Weg in diese tieferen Schichten der Seele aufzeigte. Die Reinkarnationstherapie war dabei weniger von Dogmen geprägt, sondern verstand sich als ein Weg zum Herzen.
Was war die Münchener Schule?
Anfang der 1990er-Jahre zog sich Thorwald Dethlefsen von der Reinkarnationstherapie zurück und übergab die Ausbildung zum Reinkarnationstherapeuten an Mathias Wendel. Gemeinsam mit Gabriela Wendel gründete Mathias daraufhin die Münchener Schule für Reinkarnationstherapie.
Die Münchener Schule war keine Schule im klassischen Sinne. Sie verstand sich vielmehr als lockerer und unbürokratischer Zusammenschluss von Therapeutinnen und Therapeuten, die bei Mathias und Gabriela Wendel gelernt hatten. Akademische Titel, beruflicher Status oder das Streben nach einer therapeutischen Karriere standen dabei nicht im Mittelpunkt. Die Therapeuten verstanden sich selbst als Suchende. Menschen, die keineswegs glaubten, die Weisheit bereits mit Löffeln gegessen zu haben.
Denn bevor wir andere Menschen in ihre seelischen Tiefen begleiten können, führt der Weg zunächst zu uns selbst. Das Ziel bestand darin, die eigene Liebe im Herzen zu finden – gerade auch für jene Schattenseiten, die wir am liebsten von uns weisen würden.
Der Weg zum Herzen
Reinkarnationstherapie war innerhalb der Münchener Schule deshalb kein technisches Werkzeug, das ein Therapeut am Klienten anwendete. Der Therapeut arbeitete nicht am Menschen, sondern mit ihm. Dazu gehörten Demut gegenüber dem eigenen Nichtwissen, die Bereitschaft zur eigenen Entwicklung und eine Offenheit gegenüber der geistigen Welt.
Der therapeutische Raum bezog Körper, Seele und Geist gleichermaßen ein. Frühere Leben boten eine Projektionsfläche, auf der das seelische Muster, verdrängte Anteile und Schatten sichtbar werden konnten. Der Weg führte damit zu Der zentralen Frage: Was hat das, was mir begegnet, mit mir selbst zu tun?
Ein intensiver Weg zu sich selbst
Wer sich auf die Reinkarnationstherapie der Münchener Schule einließ, entschied sich bewusst für Intensität. Das klassische Setting bestand aus 20 Sitzungen von jeweils zwei Stunden, montags bis freitags über einen Zeitraum von vier Wochen. Die Wochenenden blieben frei.
Dadurch entstand kein gelegentlicher therapeutischer Kontakt im Abstand von mehreren Wochen. Der Klient tauchte Tag für Tag tiefer in seine Bilder, Gefühle, Widerstände und sein seelisches Muster ein. Nach unserer langjährigen Erfahrung kann eine intensive Reinkarnationstherapie mit 20 aufeinanderfolgenden Sitzungen Prozesse in Gang setzen, für die Menschen in anderen Therapieformen mitunter Jahre benötigen.
Diese Intensität war ein wesentliches Merkmal der Arbeit. Die einzelnen Sitzungen standen nicht für sich allein. Was an einem Tag sichtbar wurde, konnte am folgenden Tag wieder aufgenommen und weitergeführt werden. So entstand ein Tauchgang in das eigene seelische Muster und damit die Möglichkeit, sich selbst auf eine Weise zu begegnen, die im Alltag häufig verborgen bleibt.
Die Mann-Frau-Konstellation in der Therapie
Auf einen weiteren Punkt legte Mathias Wendel großen Wert: die Konstellation zwischen Therapeut und Klient. Eine Frau wurde von einem männlichen Therapeuten begleitet, ein Mann von einer Therapeutin. Nach dem therapeutischen Verständnis der Münchener Schule können sich gerade innerhalb dieser Konstellation Beziehungsthemen, Projektionen und Widerstände besonders deutlich zeigen und damit Bestandteil der heilsamen Therapie werden. Gerade dort, wo Widerstand entsteht, kann deshalb etwas Wesentliches sichtbar werden.
Heilung ist nicht machbar
Mathias Wendel wusste um die Grenzen therapeutischer Machbarkeit. Heilung lässt sich nicht herstellen wie ein gewünschtes Ergebnis. Sie bleibt letztlich ein Geschenk. Therapie kann einen Raum schaffen, in dem wir uns jenen Anteilen öffnen, die wir abgelehnt, verdrängt oder von uns abgespalten haben. Heilung bedeutet in diesem Verständnis Ganzwerdung: das Getrennte wieder anzunehmen, vor allem mit dem Herzen.
Die vier Axiome der Münchener Schule
Das Fundament der therapeutischen Arbeit bildeten vier grundlegende Axiome. Sie bestimmten nicht nur die Sicht auf Therapie, sondern auf den Menschen und seine Beziehung zur Welt.
- Das Gesetz der Polarität: Wir leben in einer Welt der Gegensätze. Licht und Schatten, Einatmen und Ausatmen, männlich und weiblich, Leben und Tod gehören zu einer gemeinsamen Wirklichkeit. Der Mensch neigt dazu, die eine Seite zu wollen und die andere abzulehnen. Gerade in dieser Trennung entsteht jedoch der Schatten.
- Die Umwelt als Spiegel: Was uns im Außen begegnet und in uns eine Reaktion hervorruft, hat auch mit uns selbst zu tun. Die Umwelt wird damit zum Spiegel. Anstatt ausschließlich das Außen verändern zu wollen, richtet sich der Blick auf die eigene Beteiligung und das eigene seelische Muster.
- Feinstoffliche Energie: Die Münchener Schule ging davon aus, dass Wirklichkeit nicht auf das materiell Sichtbare begrenzt ist. Es existieren Ebenen und Energien, die wir mit unseren Augen nicht sehen und dennoch wahrnehmen oder fühlen können.
- Das Gesetz der Analogie: Was uns im Außen begegnet und in uns eine Reaktion hervorruft, hat auch mit uns selbst zu tun. Die Umwelt wird damit zum Spiegel. Anstatt ausschließlich das Außen verändern zu wollen, richtet sich der Blick auf die eigene Beteiligung und das eigene seelische Muster.
Therapie zum Therapeuten
Die Ausbildung innerhalb der Münchener Schule folgte dem Grundsatz „Therapie zum Therapeuten“. Sie bestand nicht darin, möglichst viele therapeutische Techniken auswendig zu lernen. Sie war in erster Linie ein Weg des eigenen Erfahrens und Erlebens.
Denn wie sollte ein Therapeut einen anderen Menschen durch dessen Angst, Widerstände und Schatten begleiten, wenn er selbst vor den eigenen zurückschreckt? Der angehende Therapeut musste deshalb selbst durch den therapeutischen Prozess gehen. Die eigene Erfahrung wurde zum Fundament der späteren Arbeit. Man konnte einen anderen Menschen nur so weit in den Schatten begleiten, wie man selbst bereit war zu gehen.
Das Ende der Münchener Schule
Am 23. März 2018 veränderte sich vieles. Mit dem Tod von Mathias Wendel endete die Münchener Schule in ihrer ursprünglichen Form. Ein großer Lehrer ging, seine therapeutische Arbeit und die Haltung, die er vermittelte, blieben jedoch bestehen. Denn eine Schule besteht letztlich nicht aus einem Namen, einem Gebäude oder einer Organisation. Sie lebt in den Menschen weiter, die ihre Arbeit erfahren, aufgenommen und über viele Jahre selbst durchdrungen haben.
Wie die Arbeit der Münchener Schule heute weiterlebt
Engin Iktir war über zwölf Jahre Schüler und Mitarbeiter von Mathias Wendel. In dieser Zeit lernte er die Reinkarnationstherapie der Münchener Schule nicht nur als therapeutische Methode kennen, sondern erlebte und durchdrang ihren Weg über viele Jahre selbst. Heute führt er wesentliche Elemente dieser Arbeit gemeinsam mit Julia Povel in Frankfurt am Main fort.
Dazu gehören die intensive Arbeit mit dem eigenen Schatten, die Offenheit gegenüber der geistigen Welt, der Weg zum Herzen und die für die Münchener Schule charakteristische Mann-Frau-Konstellation zwischen Therapeut und Klient. Damit lebt die Arbeit nicht als starres Regelwerk weiter. Sie bleibt das, was sie bereits zu Zeiten Mathias Wendels sein wollte: ein lebendiger Erfahrungsweg.
Ein Weg, der nicht beim Wissen über die Seele stehen bleibt, sondern den Menschen dazu einlädt, ihr lebensnah zu begegnen. Der Weg zum Herzen endet nie. Er findet immer wieder neue Begleiter.
Weiterführende Links:
Die Münchener Schule lebt für uns nicht in ihrer Geschichte weiter, sondern vor allem in der täglichen therapeutischen Arbeit mit Klienten. Wenn Sie erfahren möchten, wie wir heute in Frankfurt mit der Reinkarnationstherapie arbeiten, vereinbaren Sie gerne ein kostenfreies Vorgespräch über 069 958 64 828.